Interviewserie mit dem Dekan unserer Fakultät, Herrn Dr. Máté Botos
Am 1. Juli 2009 wurde Dr. Máté Botos zum neuen Dekan der Philosophischen Fakultät der KPPU ernannt. Eine Interviewserie über seinen beruflichen Werdegang, die Aufgaben eines Dekans und über die Zukunft der fremdsprachigen Fächer wird in der Insel veröffentlicht. Der erste Teil folgt unten.
Herr Dr. Botos, als Dozent sind Sie den Studenten der Fächer Internationale Studien und Geschichte bereits bekannt. Seit der Ernennung zum Dekan kann man Ihren Namen auch in anderen Studentenkreisen hören. Könnten Sie uns ein wenig über Ihren beruflichen Werdegang erzählen?
Ah, wie aus einem ein Dekan wird? Mit 18 habe meine Reifeprüfung abgelegt (das war im Jahr 1986) und sofort die Zulassung für die Fächer Französisch und Geschichte an der Eötvös Loránd Universität Budapest (ELTE) erhalten. Ich nahm dann auch noch das Fach Archäologie auf. Schließlich absolvierte ich das Studium der Archäologie und Geschichte, worin ich auch mein Diplom erwarb. Als Archäologe arbeitete ich jedoch keinen einzigen Tag. Diese Jahre meines Lebens waren großartig, besonders die Prüfungszeiten. Meine Studien setzte ich dann in Geschichte fort, da ich ein akademisches Forschungsstipendium erhielt und so innerhalb von drei Jahren meine Kandidatsarbeit (die zweite Doktorwürde des alten ungarischen Doktoratssytems, heute wurde es durch PhD ersetzt; d. Ü.) abfassen konnte.
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Ich arbeitete als Fremdenführer, Sprachlehrer und im Außenministerium. Des Weiteren auch als Gesandter, aber nicht allzu lange, da das nicht so sehr meine Welt ist. Ich war auch arbeitslos, was ebenfalls nicht meine Welt ist. Ein Jahre lang studierte ich in Genf die Fächer Geschichte und Soziologie. Danach mit Hilfe eines Forschungsstipendiums an der Universität Fribourg, in der Schweiz.
Schließlich war ich drei Jahre lang mit einem Post-Doc-Stipendium Student an der École des Hautes Études en Sciences Sociales in Frankreich. Infolgedessen ich einen der kleinen Doktorwürde ähnlichen Titel in Soziologie erlangte und somit mit Hilfe der sprachlichen Oberstufenprüfungen auch in der Lage war an der Romanistik französische Geschichte zu unterrichten. Auf diesem Wege möchte ich mich bei all jenen Studenten, die dieses Schicksal ereilte, dafür entschuldigen, wie viel ich herumgeschwafelt habe.
Im Laufe des Lebens beschäftigt sich der Mensch mit vielen Sachen. Auch ich bin Geisteswissenschaftler, als der ich erfahren habe, welche Art von Arbeit man annimmt, wenn einen die Not dazu zwingt. Essen muss man. Man muss sich zusammennehmen und arbeiten. Kommt das Schneeschaufeln nicht zustande, arbeitet man eben etwas Anderes, bis man zum Schluss an den Punkt gelangt, an dem man zu forschen beginnt. Ich unterrichtete in der Mittelschule und Erwachsene an der Abendschule – das war die schönste Arbeit in meinem Leben, ich mochte sie sehr gerne. Solche Umwege führen schließlich dazu, dass man einmal zum Dekan ernannt wird. Gott schreibt mit krummen Linien gerade.
Die Funktion des Dekans ist häufig - besonders bei Studenten der unteren Jahrgänge - nicht völlig klar. Mit welchen Aufgaben wurden Sie als Dekan schon konfrontiert?
Oh, ich wusste das selber auch nicht. Als mir verschiedene Leute gratulierten, versuchte ich mich dafür bei allen zu bedanken. Worum es bei dem Ganzen wirklich geht, weiß ich selbst jedoch auch nicht so wirklich. Jedenfalls eines weiß ich, dass das, was ich bisher, in der Zeit von 1. Juli 2009 an, erfahren habe, einem Großunternehmen mit undifferenzierten Funktionen ähnelt. Die Aufgaben dehnen sich von den Klagen der Putzfrauen wegen des unzureichenden Volumens des Toilettenpapiers, über die Stundenbelastung der Dozenten, die Durchsetzung der Notwendigkeit des Rasenmähens zur Prävention gegen Beifuß-Ambrosie und über die Ablehnung oder Annahme der besten der besseren Ideen der Unternehmer aus der Nähe der Fakultät, bis hin zu den Sanierungsarbeiten, zum Beispiel Risse in Wänden, das Wechseln von Glühbirnen usw.
Und ich sprach noch nicht davon, dass die Stundenzahlen berechnet sowie die Credit-Points bei einigen Studienrichtungen nachgerechnet werden müssen. Man muss darüber nachdenken, welche Fächer gestartet werden sollen, wie wir die Heizkosten reduzieren könnten, wie man die Forschungstätigkeit an der Fakultät fördern könnte, wie die Mängel während des Akkreditierungsprozesses beseitigt werden können und wie man mit der Ungarischen Bahn (MÁV) vereinbaren könnte, dass sie ihren „flexiblen” Fahrplan so organisieren, dass er tatsächlich flexibel funktioniert und unseren Erwartungen entspricht. 90% der Fahrgäste auf dieser Bahnstrecke steigen nämlich beim Pázmáneum ein und aus.
Des Weiteren habe ich selbst erfahren, dass beispielsweise bei der Verleihung der Diplome, nicht wie man denken würde, die Diplome nur ausgehändigt werden, sondern sie müssen auch alle eigenhändig unterzeichnet werden, ebenso wie die verschiedenen Einträge der Abschlussprüfungen. Das bedeutete 1600 Unterschriften in einer Woche. Dann kommt zum Vorschein, wie schnell sich die schön geschwungene Unterschrift der Dozenten zu verkürzen beginnt. Ich bemühe mich jedoch eine schöne Schrift zu bewahren und die Buchstaben schön geschwungen miteinander zu verbinden.
Verfasst von Nóra Nagy und Pál Bence Nagy
Übersetzt von Pál Bence Nagy
Lektoriert von Mag. Waltraud Siller