Über den Institutsvorstand

Ágnes Salánki

Ein Glückspilz oder ein Verlierer?

Was den Untertitel betrifft, können Sie das selbst entscheiden.
Ich habe zwischen 1981 und 1986 Deutsch und Russisch an der Universität von Debrecen studiert. (Einige Zeit später war Russisch nicht mehr als Fremdsprache gefragt. Was ist jetzt mit Deutsch als Fremdsprache?) Mein Vater, der pensionierter Maschinenbauingenieur und Informatiker ist, hat mir immer geraten, Ingenieur-Fachübersetzer zu werden. Denn dann kann ich in Miskolc studieren und muss meine Geburtsstadt nicht verlassen. (Hatte er vielleicht recht?!)

Nun könnte man hier die heutigen beruflichen Aufstiegsmöglichkeiten erwähnen. Ich meine aber, dass das auf keinen Fall eine gute Lösung gewesen wäre! Ich stehe nämlich mit „Mathe und Co.” auf Kriegsfuß. So hätte ich meine Studien wahrscheinlich bis heute nicht beenden können! Und ein Diplom ist doch ein Diplom! 1985 habe ich geheiratet. 1987 habe ich meine Tochter geboren. Sie ist mein einziges Kind (gesund, klug und selbstbewusst). Sie ist Jurastudentin in Miskolc und arbeitet nebenbei noch. Gibt es ein gröβeres Glück im Leben?

1986-1987 habe ich im Gymnasium „Herman Ottó” in Miskolc Deutsch und Russisch unterrichtet. Im Jahre 1989 - nach dem Babyurlaub - kehrte ich nicht ins Gymnasium zurück. Ich wechselte zur Uni in Miskolc, wo ich mehr als 20 Jahre gearbeitet habe. Dort begann ich im Lektorat als Sprachlehrerin. 1992 wurde auch an der Universität von Miskolc die Philosophische Fakultät gegründet. Dort habe ich bis 1998 am Lehrstuhl für Angewandte Linguistik gearbeitet. Das hat mir wirklich Spaβ gemacht! Sowohl die Chefin als auch die Kolleginnen waren positiv eingestellt. Es gab damals noch sehr viele begabte Studenten. Man konnte die Kandidaten selber auswählen, wer aufgenommen wird und wer nicht. Damals unterrichtete ich hauptsächlich Übersetzungstheorie und Übersetzungstechnik, weil wir so viele Gruppen hatten.

1992 habe ich mich scheiden lassen. (Ein Versagen? Nein! Gott sei Dank ist der Fehler, den man einmal begangen hat, rechtzeitig korrigiert!)
1995 habe ich meine erste Promotionsarbeit geschrieben. Darin geht es um die Übersetzungsmöglichkeiten der deutschen Präpositionalattribute aus dem Deutschen ins Ungarische mit Hilfe von desemantisierten Partizipien. (Ein höchst interessantes Thema, auch wenn man den Titel vielleicht nicht „auf den ersten Blick” versteht.) Ich habe mit einer großen Begeisterung daran gearbeitet. Von meinen Kolleginnen und Kollegen aus Debrecen bekam ich viel Hilfe dazu. Auch seitdem haben wir sehr gute Kontakte.

Man könnte diese Tatsache, als eindeutig positiv betrachten, so einfach war die Lage aber nicht. Es wurde kurz darauf nämlich verkündigt, dass nur PhD-Titel wissenschaftlich anerkannt werden. (Was fange ich dann jetzt mit meinem jungen aber - zum Teil - veralteten Doktortitel an? Sind die Ausbildung und der Abschluss nur für mich? Kann ich etwas für die Studenten mit meinem Wissen tun?) 1996-1998 habe ich einen beträchtlichen Teil meines Lebens in Pécs verbracht, wo ich in der Doktorandenschule an meiner neuen Dissertation zu arbeiten begann. In jenem seelischen Zustand - nach der groβen wissenschaftlichen Enttäuschung und nach 186 Seiten - hatte ich keine Lust, an meinem früheren Thema weiterzuarbeiten.

Ich habe begonnen, mich mit der Werbesprache zu beschäftigen. Der Titel meiner zweiten Promotionsarbeit lautet: „Werbung im Vergleich. Deutsche und ungarische Werbetexte” . (Auch in Pécs habe ich fantastische Wissenschaftler und Kollegen kennengelernt. Neue Persönlichkeiten, neue Perspektiven, wenn auch mit viel Arbeit, Stress und Hektik! Kann man sich mehr wünschen?) Im Jahre 1998 bin ich einige Zimmer im Korridor weitergezogen, weil ich - nach dem Erhalten des PhD-Titels - zur Lehrstuhlleiterin des Lehrstuhls für Deutsche Sprachwissenschaften ernannt wurde. (Ein Erfolg oder ein Pech?! Dann fällt mir einer meiner Lieblingswitze ein, der viel verrät: Der Sohn zum Vater: „Vati! Ich möchte nicht zur Schule! Die Lehrer hassen mich, und die Schüler lachen mich aus.” Darauf sagt der Vater: „Reiß dich, mein Sohn, bitte zusammen! Immerhin bist du der Direktor!”)

Als Lehrerin hatte ich auch dort ähnliche Aufgaben wie früher. Ich unterrichtete Übersetzungstechnik, Angewandte Linguistik (vor allem Psycho-, Sozio- und Neurolinguistik), Morphologie und Syntax.
Inzwischen habe ich Grafologie studiert, und mich im Jahre 2005 zum Diplom-Grafologen qualifiziert. (Vorsicht also mit handschriftlich eingereichten Arbeiten!)

Anfang 2007 sagte ich von meiner Position aus persönlichen Gründen ab. 3 Jahre lang arbeitete ich also an der Uni von Miskolc als „einfache” Dozentin. Ich habe nun viele schöne Dinge miterleben können. Mich hat jedoch die Mail von Herrn Professor Szigeti positiv überrascht, dass man mich an der Katholischen Péter-Pázmány-Universität willkommen heiβt. No comment!

Ich bin da, ob es einem gefällt oder nicht! Man muss mich nun ertragen!