OTDK – Großer Erfolg von Alpár Flóra

von Viktória Tóth

Die 26- jährige Absolventin des Instituts für Germanistik an der KPPU hat letzten Monat einen großen Erfolg an der OTDK erreicht. Der niveauvolle Wettbewerb wurde dieses Jahr an der Eszterhazy Károly Hochschule organisiert.
Die erfolgreiche Germanistin lebt seit 6 Jahren in Budapest. Sie ist vielseitig auch wenn es um ihre Freizeit geht: Musik, Kultur, Ausstellungen und Theater.
In einem  Interview erzählt sie über den Anfang und die Erlebnisse mit der deutschen Sprache.

VT:  Seit wann lernst du / studierst du Deutsch?

AF: Für solche „alten Hasen“ wie mich – für ungarische Verhältnisse könnten wir es vielleicht auch Langzeitstudentin nennen ­– ist es immer eine sehr, wie soll ich es sagen, ein kleines bisschen peinliche Frage. J Ich habe 7 Jahren lang studiert, wovon ich 2 Semester im Ausland (in München, Deutschland und Wien, Österreich) verbracht habe.  

VT: Wie hast du dich entschieden, Deutsch zu studieren? Und wann?

AF: In den ersten 2 Jahren, im Gymnasium habe ich eine muttersprachliche Lehrerin gehabt. Stephanie war eine phantastische Pädagogin, und hat die Sprache und auch Kultur uns allen mit der größten Mühe und Lust beigebracht. Bevor sie Lektorin geworden ist, war sie Kultusministerin in Sachsen, daher eine hochgebildete und sehr interessante Person. Zwar war die erste Zeit bei ihr sehr schwierig (ich konnte kaum Deutsch), als ich mich aber mit der Sprache besser zurechtfand, hat es mir bei ihr wahnsinnig großen Spaß gemacht. Dann nachdem sie aus Ungarn weggefahren war, besuchte ich als ich 15 Jahre alt war einen Prüfungsvorbereitungskurs im Goethe-Institut bei Zsuzsa Marlok. Es war wahnsinnig toll. Dort wurde mir schon klar, dass ich später Germanistik studieren möchte.

VT: Welche Motivation hattest du dafür?

AF: Damals habe ich darüber nicht wirklich nachgedacht. Ich war auch noch von meiner Persönlichkeit her sehr anders, sehr jung. Ich wusste nur soviel, dass mir die deutsche Sprache wahnsinnig gefällt und das Lernen und Benutzen von ihr riesigen Spaß macht.

VT: Gab es auch andere Alternativen neben Germanistik? Oder war das das einzige Gebiet, wofür du dich interessiert hast?

AF: Ich habe am Anfang auch Geschichte studiert, was aber nicht meinen Vorstellungen entsprochen hat, weswegen ich dieses Fach abgegeben habe. Die große Konkurrenz war jedoch Musik. Meine beiden Eltern sind Musiker, ich habe auch seit meinem 5. Lebensjahr Musik gelernt. Alles was man sich vorstellen kann und in meinem Abi-Jahr war es noch so, dass ich eine Aufnahmeprüfung an der Franz Liszt Musikhochschule machen wollte. Ich habe aber die Entscheidung getroffen, trotzdem bei den Geisteswissenschaften zu bleiben.

VT: Wie stellst du dir deine Zukunft mit einem BA-Diplom in Deutsch vor?

AF: Mein Studium habe ich noch vor dem Bologna-System angefangen, ich habe also ein Diplomstudium gemacht, bin daher keine BA-Studentin. Meine Zukunft ist mir aber immer noch nicht ganz klar. Obwohl sie teilweise schon angefangen hat. J Es gibt zweieinhalb Möglichkeiten, die ich im besten Fall miteinander vermischen möchte. Vor dem letzten Jahr war es mein eindeutiger und größter Traum, im Kulturbereich einen Job zu finden. Ich arbeite schon seit vielen Jahren für das Budapester Festivalzentrum und mache bei den Budapester Frühlings- und Herbstfestivals mit. Ich wollte also in diese Richtung etwas finden. Während meines Schulpraktikums ist mir aber klar geworden, dass ich unbedingt auch unterrichten möchte. Weiterhin möchte ich auch wissenschaftlich tätig sein und mit dem Forschungsthema meiner Diplomarbeit und teilweise auch der OTDK-Arbeit promovieren, nachher vielleicht in dem universitären Bereich bleiben. Also der Traum-Mix dieser Bereiche: an einer Universität Kulturwissenschaft/Kulturmanagement zu unterrichten.

VT: Wann hast du dich für die OTDK entschieden?

AF: Es war nicht nur meine Entscheidung. Meine Mentorin/Gutachterin hat Frau Bognár gesagt, dass ich vielleicht eine Chance haben könnte und es sich daher lohnen würde, mich zu nominieren. Frau Bognár ist zu mir gekommen und hat mich gefragt ob ich das gerne machen würde und nach kurzer Überlegung habe ich zwar Angst gehabt, dass ich es neben den Aufgaben, betreffend meinen Uni-Abschluss und meine Arbeit keine Zeit dafür haben werden, habe ich schließlich „Ja“ gesagt.

VT: Wer kann/ darf teilnehmen? Gibt es Kriterien dafür?

AF: Ehrlich gesagt, ich kenne mich in diesem Thema nicht wirklich gut aus. Ich weiß, dass man keine komplette Diplomarbeit nominieren darf, müsste also theoretisch noch vor dem Abschluss sein. Ich habe in Eger Vorträge von StudentInnen im ersten Studienjahr gehört, ich denke also, dass es keine untere Grenze gibt. Hauptsache, man hat ein interessantes Forschungsthema, einen Gutachter/eine Gutachterin und die Uni ist mit der Nominierung auch einverstanden.

VT: Wie viel Zeit verlangte es dir ab, dich darauf vorzubereiten?

AF: Die große Arbeit habe ich nicht jetzt geleistet. Ich beschäftige mich mit meinem Thema seit 4 Jahren. Das ist wahnsinnig viel Zeit für eine Diplomarbeit. Da ich mich in vielen Bereichen des Themas nicht wirklich ausgekannt habe, musste ich unglaublich viel lesen. Allein zum Thema Gender Studies waren es 2500-3000 Seiten. Vor dem Wettbewerb dauerte es ziemlich viel Zeit, die Arbeit soweit zu verkürzen und umzustrukturieren, dass sie den Kriterien der OTDK entspricht. Für den mündlichen Teil dauerte die Vorbereitung nicht mehr so lange. Ich musste eine Präsentation zusammenstellen, den Text dazu schreiben und so lange einüben, bis ich es fast auswendig konnte.

VT: Wie konntest du das schaffen?

AF:
Ich bin der Meinung, dass man eigentlich alles schaffen kann. Wenn ich etwas wirklich gut machen möchte, ist meine Methode, dass ich es nicht als optional behandle. Ich habe in meinem Leben alles auf diese Weise geschafft. Es funktioniert so, ich präge mir die Einstellung tief ein: „es ist egal, wie viel Zeit und Energie es beansprucht, wie viele Aufgaben ich außerdem habe, ob ich dazu Lust habe, es muss gemacht werden und eine andere Möglichkeit kommt nicht in Frage“. Daneben habe in dieser Zeit sehr wenig geschlafen, damit ich irgendwie wirklich für alles Zeit hatte.

VT: Könntest du für mich als Außenstehende erklären wie man sich einen solchen Wettbewerb vorstellen kann?

AF:
Klar, ich weiß nicht ob du schon an einer wissenschaftlichen Konferenz teilgenommen hast. Es ist sehr ähnlich. Du gibst eine Arbeit ab, die von zwei ProfessorInnen begutachtet wird, die geben dir eine gewisse Punktzahl, die eigentlich entscheidet ob du deine Arbeit in der mündlichen Runde auch vortragen darfst. Diejenigen die sich für den mündlichen Teil qualifiziert haben, werden in Sektionen eingeteilt. In jeder Sektion gibt es eine Jury, die aus drei Personen besteht. Die kennen deine Arbeit gewöhnlich nicht, nur das, was die Gutachter geschrieben haben. Du hast 18-20 Min., deine Arbeit zusammenzufassen, auf die schriftlichen Kritiken zu reagieren, dann gibt es 10 Minuten für Diskussion. Hier bekommst du Fragen von der Jury und dem Publikum, die du möglichst kurz beantworten musst. Dafür kriegst du auch eine gewisse Punktzahl und dann die Gesamtpunktzahl entscheidet, welchen Preis du bekommst.

VT: Welche Erfahrungen hast du an der OTDK gemacht?

AF:
Ich fand es letztendlich sehr interessant und spannend. Für mich war an diesem Wettbewerb das Wichtigste, zu erfahren, wie mein Thema – was in Ungarn noch gar nicht als akzeptiert, noch weniger als beliebt bezeichnet werden kann – von den anerkannten ungarischen Wissenschaftlern und den anderen StudentInnen aufgenommen wird. In dieser Hinsicht sind meine Erfahrungen eher positiv. Ehrlich gesagt habe ich mich diesbezüglich auf viel mehr „Konfrontation“ vorbereitet.

VT: Was war dein Thema? Welche Quellen hast du benutzt?

AF: Mein Themenkomplex beinhaltet Literatur-, Musikwissenschaft und Gender Studies. Wegen meiner privaten Vorgeschichte wollte ich seit Anfang meines Studiums mit einem Thema arbeiten, das in irgendeiner Form mit Musik zu tun hat. Es dauerte ziemlich lange, bis sich meine Fragestellung auskristallisiert hat. Ich habe am Anfang über Anette von Droste-Hülshoff gelesen und bin darauf aufmerksam geworden, dass sie nicht nur als Schriftstellerin, sondern auch als Komponistin tätig war. Ich fand die Frage sehr komisch, aber auch interessant, warum sie als – laut den zeitgenössischen Quellen – sehr talentierte Komponistin nicht den gleichen Erfolg erreichen konnte wie als Schriftstellerin. Meine Fragestellung lautet also wie folgt: Was sind die Gründe dafür, dass trotz einer sehr ähnlichen Ausgangssituation zur Zeit der deutschen Romantik, die Etablierung der weiblichen Kunstproduktion sich in der Literatur- und in der Musikwissenschaft so unterschiedlich gestaltet hat? Diese untersuche ich durchgehend durch Ansätze und Theorien des Konstruktivismus und der Gender Studies. Ich denke, detaillierter als es hier steht möchte ich nicht darauf eingehen, weil ich darüber wirklich seitenlang erzählen könnte. Denjenigen aber, die sich evtl. dafür interessieren, erzähle ich gerne noch weiter.
Was die Quellen angeht. Alles was man sich vorstellen kann. Wissenschaftliche Bücher auf Papier und online, Briefe, Noten, primäre Literatur wie Erzählungen, Gedichte, Studien, Erziehungsliteratur. Meine Literaturliste, die ich ja überall nur stark reduziert angegeben habe, hat 12 Seiten.

VT: Wenn du Hilfe brauchtest, wen hast du um Hilfe gebeten?

AF: Ich habe meistens alleine gearbeitet. Frau Lindner, meine Gutachterin hat aber meine Texte gelesen, wenn sie fertig geworden sind.

VT: Könntest du deine Erlebnisse über OTDK zusammenfassen? Was für dich bedeutend war? Eindrücke?

AF: Es war insgesamt sehr motivierend. Ich habe hochinteressante Vorträge gehört, mich mit hochinteressanten Themen bekannt gemacht. Viele von denen könnte ich und würde ich gerne bei meiner eigenen Arbeit benutzen. Die Szene war auch sehr interessant. Während meinem Studium habe ich den Kontakt zu anderen Universitäten immer ein wenig vermisst. Insofern war es für mich schön, die andern StudentInnen kennenzulernen.

VT: Woran hast du zuerst gedacht, als du von deinem Erfolg gehört hast?

AF: Ich bin eine schreckliche Person. Eine schreckliche Maximalistin. Mein erster Gedanke war, dass ich gewinnen wollte. Es heißt natürlich auf keinen Fall, dass ich denken würde, die Studentin, die gewonnen hat, hätte es nicht verdient. Selbst im Gegenteil. Sie hat es 100% verdient. Nur weißt Du… als Zweite ist man so nahe… J
Aber um ernst zu sein, ich habe mich natürlich sehr gefreut. Mit dem Gender-Thema als Germanistin, also nicht in einer (gender)fachbezogenen Sektion, den weiten Preis zu bekommen, ist eine riesige Ehre für mich. So generell, den zweiten Preis bekommen zu haben, bedeutet mir unaussprechbar viel. Um kurz zu fassen, war ich also überglücklich!

VT: Wie viel Teilnehmer gab es? Und wie fandest du die anderen?

AF: In meiner Sektion gab es 12 oder 13 Vortragenden. Von denen waren einige unvorstellbar gut. Wegen ihrem Alter möchte ich eine Studentin aus Szeged hervorheben. Sie war erst 20 Jahre alt, und sowohl ihr Thema als auch die Verwirklichung und nicht zuletzt ihre Sprachkenntnisse waren echt professionell! Ich war total fasziniert von ihr. Ein anderer Student von der ELTE hat sich mit einem – meiner Meinung nach – genialen Thema nominiert. Mit ihm bleibe ich weiterhin im Kontakt, weil ich seine Ideen unbedingt in meine Forschung einbauen möchte und wenn alles gut geht, wird er mir dabei helfen.
 
VT: Hattest du daran gedacht, dass du den zweiten Platz also so großen Erfolg erreichen kannst?

AF: Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, damit nicht gerechnet zu haben, dass ich irgendeinen Preis gewinnen werde. Da ich in dem ersten schriftlichen Teil eine ziemlich hohe Punktzahl erreicht habe.

VT: Was denkst du, wie kannst du von diesem Erlebnis später profitieren?

AF: Vor allem ist ein OTDK-Preis bei der Aufnahmeprüfung in die Doktorschule ein großer Vorteil, andererseits bringt selbst die Erfahrung ziemlich viel. wenn man an sowas schon teilgenommen hat, wird man sich hoffentlich in irgendeiner wissenschaftlichen Konferenz schon zurechtfinden.

VT: Welche Vorteile hat eine OTDK?

AF: Vor allem, dass man gezwungen ist, noch vor der Diplomarbeit einen wissenschaftlichen Text von hoher Qualität zu schreiben. Und vor allem, dass man erfahren muss, wie das Gefühl ist, wenn man von unbekannten ProfessorInnen kritisiert wird. Man muss auch lernen wie man vor Unbekannten gut strukturiert redet und argumentiert. Weitere Vorteile sind damit vor allem dann zu erreichen, wenn man eine wissenschaftliche Laufbahn plant.

VT: Kannst du es anderen empfehlen?

AF: Ja, ich kann es unbedingt allen empfehlen, die gern länger mit einem Thema arbeiten.