Alföldi hat etwas Neues geschaffen oder besser gesagt – neugeschaffen – wie noch niemand zuvor!
Wenn jemand einem Gegenwartsstück oder einer zeitgenössischen Inszenierung begegnet, steht er diesen, wenn auch ungewollt, häufig zweifelnd gegenüber. In diesem Fall jedoch, braucht das Publikum das Stück unbedingt. Nicht nur um sich von den guten Absichten oder den echten Qualitäten des Regisseurs zu überzeugen, sondern vor allem um die moderne Darstellung und Inszenierung eines Werks zu genießen, das von Jugendlichen handelt, sich jedoch nicht nur an diese richtet.
Denn die Aussage Schillers ist ewig gültig: Liebe besiegt alles (oder: Omnia vincit amor). Oder etwa nicht? Unsere Haupthelden, Luise und Ferdinand, suchen die Antwort auf diese Frage. Ihre Situation ist keineswegs leicht, denn sie sind von zahlreichen Hindernissen umgeben: Ehrgeiz, väterliche Interessen, Wünsche der Liebenden, Eifersucht, Kabale und noch dazu ihre eigenen Ängste.
All das bekommen wir von dem Regisseur auf einzigartige Weise vermittelt, sodass wir sogar für kurze Zeit vergessen um das Schicksal der beiden zu bangen. Das Óbudai Danubia Orchester erscheint Dank der Kooperation zwischen MÜPA und unserem Nationaltheater auf der Bühne. Sie spielen mit völliger Hingabe (z.B. Sosztakovics, Streichsymphonie, 2. These) und stellen dadurch zusammen mit den Schauspielern die Gefühle der einzelnen Charaktere, wie auch den Hintergrund dar, wodurch sie das Publikum eine Bühnendekoration nicht vermissen lassen. Die Musik vermittelt das Gefühl, als würde alles leben, sich bewegen. Dank der Neuübersetzung von András Forgách wird Schillers Originaltext aus dem 18. Jahrhundert allgemein verständlich, wodurch das ganze Stück einen neuen, jugendlichen Schwung erfährt.
In dieser Umgebung wird auch das Spiel der Schauspieler kräftiger und wirkungsvoller als bei konventionellen Interpretationen. Der Minister von Kulka setzt auf rohe, prosaische Weise seine Absichten durch, im Kontrast dazu der Musikant von Hollósi, der selbst noch die selbstmörderischen Neigungen seiner Tochter entschuldigen zu können scheint. Neben sie tritt André Vásári, den Alföldi für das Nationaltheater entdeckte, in seiner pompösen Kleidung im Stil des 18. Jahrhunderts, als erfreulicher Farbfleck. Er hat mit seinem vorlauten Spiel und seinem zerbrechlichen Sopran unglaubliche Wirkung auf die Zuschauer. Unglaublich bravurös.
Und die Liebenden? Möglich, dass Ferdinand und Luise einen solchen Kampf verlieren, in dem sie nie eine Chancen hatten, aber der Zuschauer gewinnt mit Sicherheit. Dieser geht mit einem fantastischen Theatererlebnis und einer erhebenden Katharsis daraus hervor.
Weitere Informationen und Kritiken über das Stück:
http://www.nemzetiszinhaz.hu/eloadasok/
index.php?list=actual&performance=121&doc=sajto
http://www.nemzetiszinhaz.hu/eloadasok/
index.php?list=actual&performance=121&doc=szinopszis
Nächste Vorstellungen:
http://www.nemzetiszinhaz.hu/eloadasok/
index.php?list=actual&performance=121