Aranka Gondán: Free Rainer – Dein Fernseher lügt auch

Übersetzt von Botond Szabó

Das Fernsehen lügt, macht einen dumm, und führt zum geistigen Untergang. Ach ja, und es tötet auch. Der Film Free Rainer  von Regisseur Hans Weingartner bewegt sich unter solchen banalen, populären Auffassungen. Rainer, die Hauptfigur (Moritz Bleibtreu) ist Produzent bei einem kommerziellen Fernsehsender. Aus seiner Perspektive präsentiert Weingartner die Welt des Fernsehens, die für den Profit zu allen abscheulichen Manipulationen bereit ist.

Der erfolgreiche Rainer lebt so, wie man es von ihm erwartet: er hat teure Wagen, eine hübsche Freundin, verfügt über viel Alkohol, Kokain und eine Luxuswohnung. Dann kommt die unerlässliche Wendung: die große „Aufklärung“ durch eine andere hübsche Frau. Pegah (Elsa Schulz Gambard) rächt sich an Rainer, weil ihr Großvater wegen einer Reportage, die dieser Mann vor Jahren gemacht hatte, Selbstmord beging. Rainer denkt über seine bisherige Arbeit nach, und kommt zum Schluss, was er bisher anstellte, war nicht besonders positiv. Er setzt sich zum Ziel, von nun an nur anspruchsvolle Sendungen zu machen. Das interessiert natürlich niemanden, die Einschaltquote sinkt, und er wird deswegen gefeuert. Aber ein „echter Prophet“ gibt nicht auf! Er manipuliert die Einschaltquote, im Dienste eines guten Zwecks. Mit seinem kleinen Team zusammen entscheidet er, welche Sendungen die deutschen Bürger mögen sollten.

Mit der Grundidee des Filmes, den Schauspielern und mit den Bildern gibt es kein Problem, aber die Regie und das Storytelling ist ein bisschen kompliziert. Moritz Bleibtreu ist, wie immer, in Top-Form, und ist genial als satter Schweifwedler, der wegen eines Unfalls und seiner Sünden sich selbst zu hassen anfängt, und später in der Rolle des Bekehrten glaubwürdig bleibt. Elsa Schulz Gambards Hass gegenüber Rainer ist ebenso glaubwürdig, sie könnte mit ihren Augen töten. Ihre seelischen Veränderungen und die Wandlungen in ihrer Beziehung werden durch Naheinstellungen anschaulich dargestellt.

Um zu dem vorher erwähnten Problem zurückzukehren, muss ich sagen, dass die Logik der Geschichte oft scheitert. Der Film bewegt sich zwischen glaubhaften und unglaubhaften Darstellungen.  Es zeigt ein zu negatives Bild von Rainer (und durch ihn auch vom Fernsehen), und dann kommt es zu einer plötzlichen Wendung. Pagah wollte Rainer zuerst umbringen, aber sie erlebt auch eine plötzliche Wendung, hilft ihm in seiner Mission, und verliebt sich sogar in ihn. Das ist noch zu ertragen, aber es ist unbegreiflich, wie Deutschland gerade durch die Aktivität der beiden zu einer geistigen Blütezeit gelangt. Jeder fängt plötzlich an Dokumentarfilme und Dramen anzuschauen, dann anstatt fernzusehen, fangen sie an zu lesen und Gemeinschaftsleben zu führen. Das ist einfach höllisch naiv. Der Zuschauer könnte denken, dass am Ende des Films der Schreiber und der Regisseur ihren Realitätssinn verloren haben. Der Abschluss ist so realitätsfremd, dass man sich ruhig fragen könnte: ist das ihr Ernst? Oder ist das ein Witz?

Free Rainer ist nicht als ein Film zu betrachten, der die Welt des Fernsehens enthüllt. Der Regisseur beschreibt das Fernsehen nicht klischeeartig, er sagt nichts Neues damit, dass das Fernsehen böse ist. Er versucht uns darauf aufmerksam zu machen, das Fernsehen vermittelt nicht die Realität, ebenso wie sein Film nicht die reale Lage des Mediums zeigt. Um das darzustellen, provoziert er den Zuschauer mit immer realitätsfremderen Wendungen, so dass man endlich begreift, dass es ja ein Schwindel ist. Er nimmt nicht ernst, was er sagt, ebenso wie wir nicht alles glauben sollten, was wir im Fernsehen sehen. Die Methode des Regisseurs ist clever, aber gleichzeitig auch gefährlich. Es kann auch leicht zu Missverständnissen führen, wenn der Zuschauer Weingartners bewusste Verzerrung nicht erkennen kann. In diesem Fall ist nicht nur die Botschaft des Films weg, er kann sich so leicht in eine Selbstparodie verwandeln. Aber wenn der Zuschauer nicht ernst nimmt, was er sieht, und das mit genug Ironie betrachtet, funktioniert dieses Werk, und auch die Lehre des Films wird eindeutig.

Webseite des Films: www.freerainer.kinowelt.de