Übersetzt von Ádám Sáfár
In seinem neuen Film Soul Kitchen gibt Regisseur Fatih Akin nicht nur in den Alltag der türkischen Zuwanderer einen Einblick, sondern auch ins Durcheinander seiner Geburtsstadt: Hamburg. Türken und Deutsche leben hier, aber vor allem auch Griechen, der Soul Kitchen fehlt keine Zutat.
Rezept des erfolgreichen Filmes ist einfach: Man nehme den begabten Regisseur und Drehbuchautor Fatih Akin, gebe eine eindrucksvolle visuelle Ausstattung von Rainer Klausmann dazu, rühre abwechslungsreiche Soul-Musik ein. Man gieße einen der populärsten (und auch der besten) deutschen Schauspieler Moritz Bleibtreu und einen viel versprechenden Newcomer Adam Bousdoukos (der auch beim Verfassen des humorvollen, ideenreichen und spannenden Drehbuchs mitgewirkt hat) mit dem, einen verrückten Koch darstellenden, Birol Ünel auf. Zusätzlich würze man mit etwas Ungarischem, Dorka Gryllus.
Diese auch an sich vorzüglichen Zutaten ergeben zusammen die Geschichte der nicht alltäglichen Pechsträhne des Wirten Zinos Kazantsakis. Zinos ist der Mustertyp des netten Mannes, der leicht zu betrügen ist, alle versuchen ihn auszunutzen und zu verarschen, angefangen mit dem alten Seemann, der seinen Abstellraum mietet, weiter mit einem alten Bekannten, dem Bruder, der Freundin und zum Schluss dem Steueramt. Als würde das alles an sich noch nicht reichen, machen auch die Kneipe und die Gäste nur Probleme.
Was alles schiefgehen kann, geht auch schief. Die Freundin zieht nach China, das Geschäft läuft nicht gut, es gibt kaum Gäste, der Mieter Sokrates bezahlt seit Monaten nicht, der Bruder Illias versucht durch ihn einen Freigang aus dem Gefängnis zu erhalten und der neue Bekannte will sich auch nur Zinos‘ Grundstück aneignen. Dieses ohnehin nicht gerade fade Wirtendasein wird noch mit einem Bandscheibenvorfall versüßt. Dann trifft Zinos jedoch einen neuen, hochtalentierten, aber auch sehr antisozialen Koch – Shayn Weiss bringt neue Geschmäcker und neue Lebensansichten mit –, mit dem auch neue Kundschaft kommt. Von dem Moment an scheint alles besser zu werden, das Geschäft läuft endlich, Zinos könnte zu seiner Freundin nach China fahren, aber dann verkehrt sich wieder alles ins Unbekömmliche.
Der alte Gemeinplatz, dass Deutsche nichts Anderes als ungenießbare und vulgäre Filmkomödien drehen können, gilt seit langem nicht mehr. Um nicht zu weit abzuschweifen, reicht es an Fatih Akins früheren Film Im Juli zu denken (ebenfalls mit Moritz Bleibtreu). Beide Filme haben gemeinsam, dass ihre Drehbücher reich an Wendepunkten sind und dennoch keinem üblichen Muster folgen. Beide weisen großartige schauspielerische Leistungen auf, dennoch lässt sich auch eine gewisse Entwicklung bei Akin beobachten, da in Soul Kitchen neben dem eben Genannten auch die bildliche Darstellung und die Musik eine wichtige Rolle erhalten.
Die Musik passt sich im Film immer der jeweiligen Szene an und bildet mit dem Bildaspekt, mit dessen Kameraeinstellungen, aber auch mit der Handlung selbst ein harmonisches Ganzes: In der Disco-Szene ist es, als ob man das neueste Musikvideo einer Elektro-Band sehen würde, die tanzenden Leute sind in close-up Zeitlupe zu sehen; als für Zinos scheinbar alles verloren ist, kann man seine Einsamkeit durch ein Kleintotal, begleitet von Tönen einer Mundharmonika, verfolgen, und als es bergauf zu gehen scheint, erklingt eine hoffnungsvolle Flötenmelodie und der Bildaspekt wird zu einem Großtotal ausgeweitet.
Außerdem sind viele Soul-Lieder sowie griechische Volksmusik zu hören und auch der deutsche Jan Delay ist mit einer seiner Nummern vertreten. Das letztere ist besonders bemerkenswert, da es ziemlich selten vorkommt, dass man in einem deutschen Film deutsche Musik hört und keinen momentanen Hit aus Amerika.
Soul Kitchen
deutsche Filmkomödie, 99 Minuten, 2009
Dolby Digital
Regie: Fatih Akin
Drehbuch: Fatih Akin, Adam Bousdoukos
Kamera: Rainer Klausmann
Produzent: Fatih Akin, Klaus Maeck
Schnitt: Andrew Bird
Darsteller:
Adam Bousdoukos (Zinos Kazantsakis)
Moritz Bleibtreu (Illias Kazantsakis)
Anna Bederke (Lucia Faust)
Pheline Roggan (Nadine Krüger)
Birol Ünel (Shayn Weiss)
Udo Kier (Jung)
Wotan Wilke Möhring (Thomas Neumann)
Dorka Gryllus (Anna Mondstein)