Praktikum in der Schweiz

von Balázs Háger

Das Erasmus- oder DAAD-Programm muss wohl niemandem vorgestellt werden. Es sei aber bemerkt, dass oft auch andere Möglichkeiten offen stehen, einen etwas anderen Weg einzuschlagen, wenn es darum geht, einige Monate im Ausland zu verbringen. So kam es dazu, dass ich während meiner Studienzeit an der Budapester Wirtschaftshochschule an dem Sommerkurs der Hotel- und Touristikfachschule Chur im Kanton Graubünden in der Schweiz teilnehmen konnte. Der Kurs bestand aus einer zweiwöchigen praktischen und theoretischen Schulung an der HTF Chur und einem dreieinhalbmonatigen Praktikum in der Hotellerie. Zur Auswahl standen freilich mehrere Destinationen, wobei es mir keinerlei Schwierigkeiten machte, eine schnelle und eindeutige Entscheidung zu treffen, denn seit jeher wollte ich die Schweiz hautnah erleben. Dass mir dabei ein Einblick in den Arbeitsalltag in einem Viersternehotel gewährt wurde, kann ich als äußerst lohnende Erfahrung bezeichnen.

Die Vorstellung allerdings, auf Schwyzerdütsch angesprochen zu werden, war anfangs einigermaßen beunruhigend, ja unheimlich – und später auch. Mir sei die Unterstellung erlaubt, dass dieser höchst ungewöhnliche Dialekt selbst Deutschen kaum oder gar nicht zu bewältigende Verständnisprobleme bereitet. Mein ursprüngliches Vorhaben, wenigstens ein wenig Schweizerdeutsch zu lernen, stellte sich als naiv heraus, und ich fand mich allmählich damit ab, es sein zu lassen. Während meiner Bergwanderungen begegnete ich bodenständigen Almbewohnern, mit denen ich mich wirklich nur mit Händen und Füßen verständigen konnte – das wiederum funktionierte hervorragend.

Apropos Berge: Dass Wandern und Bergsteigen zu den beliebtesten und selbstverständlichsten Freizeitaktivitäten in der Schweiz gehören, dürfte nicht überraschen. Mir wurde aber auch klar, wie weit das eigentlich geht. An einem Tag stieg ich auf einen über 3000 Meter hohen Berg – der Weg zum Gipfel führte auf schmalen Graten, über schwindelerregenden Abgründen und bisweilen durch kurze, fast senkrechte Passagen ohne jegliche Hilfsmittel oder Sicherung. Was mich überraschte, wer ein Eintrag im Gipfelbuch, der ungefähr so lautete: „Schön, dass Oma mit ihren 85 Jahren auch diesmal dabei ist, so wie immer.” Verständlicherweise schwand mein Stolz über meine eben erbrachte bergsteigerische Leistung.

Was meine Begegnungen mit der Graubündner Küche anbelangt, kann ich die Bündner Gerstensuppe und die Engadiner Nusstorte hervorheben. Es erübrigt sich fast zu erwähnen, dass man sich die weltberühmte Schweizer Schokolade keineswegs entgehen lassen sollte – die ist nämlich in der Tat so gut, wie behauptet. Rein subjektiv würde ich aber sagen, dass schlicht und einfach der besonders würzige Appenzeller Käse die Krönung der Schweizer Gastronomie darstellt.

Ich für meinen Teil kann einen Schweizaufenthalt nur jedem empfehlen. Wer etwas fürs Hochgebirge übrig hat, muss die Schweizer Alpen sowieso gesehen haben. Fest steht zwar, dass es kein leichtes Unterfangen ist, einen herkömmlichen Ferienjob in der Schweiz zu finden. Das von mir absolvierte Praktikum war ja mit der fachlichen Ausbildung im Bereich Tourismus verbunden. Es gibt aber auch gute Nachrichten: Seit 2011 nimmt die Schweiz als offizielle Partnerin an den europäischen Bildungsprogrammen des Programms für Lebenslanges Lernen und dadurch am Erasmus-Programm teil. Vor einer Bewerbung sollte man sich allerdings unbedingt über die Finanzierungsmöglichkeiten informieren, denn Stipendien werden auf unterschiedliche Weise gehandhabt.