Germanistik in Frankreich

Im vorigen Monat wurde über die Germanistik nach italienischer Art berichtet. Diesmal „fahren” wir nach Arras (Nordfrankreich) und machen eine kleine Rundreise in der germanistischen Fakultät der Université d'Artois.

Im französischen Hochschulwesen werden nicht die Vorteile des Bologna-Prozesses in Frage gestellt, sondern in den Diskussionen geht es viel mehr darum, ob die Universitäten dem Staat gehören oder eher im Besitz von privaten Leuten sein sollten. Die Universitäten – besonders die kleinen – protestieren heftig gegen die Reform, dass sie verkauft werden sollen.

An der Universität von Arras studieren ca. 4000 Studenten, die in zahlreichen Fächern wie in Geschichte, Geographie, Dramaturgie, Literatur, Sprachen und Soziologie ihre Kenntnisse erweitern können. Was die Zahl der Germanistikstudenten betrifft, sieht man eine Ähnlichkeit zwischen unserer Uni in Piliscsaba und dieser Universität in Nordfrankreich: Lediglich 50 Studenten interessieren sich dort für ein Germanistik-Studium. Das lässt sich darauf zurückzuführen, dass in den Gymnasien und Mittelschulen immer weniger Schüler die deutsche Sprache als Fremdsprache wählen.

Verschiedene Bereiche wie Literatur, Sprachwissenschaft, Zivilisationswissenschaft und Übersetzungswissenschaft bilden das Germanistik-Studium im Bachelor. In allen Semestern können freiwillig Referate gehalten werden, aber der erschreckende Begriff der „Seminararbeit” existiert in Frankreich im Bachelor, wie in Italien auch nicht. Erst später, während des Master-Studiums müssen diese geschrieben werden.
Das Notensystem weicht auch ganz stark von unserem ab: In Frankreich gibt es eine Notenskala von insgesamt 20 Noten, wobei 0 als die schlechteste und 20 als die beste Note gilt.

Wie die französischen Germanistikstudenten ihr Bachelor-Studium abschließen, wird würden sicherlich von vielen unserer Studenten beneidet: Die Franzosen müssen nämlich keine große Abschlussprüfung ablegen. Die Themen aus Literatur, Sprachwissenschaft und Geschichte müssen am Ende des Studiums auch nicht wiederholt werden. Die Prüfungszeit am Ende des dritten Jahres sieht genauso aus, wie alle anderen Prüfungszeiten.

Was die Möglichkeiten zum Auslandsstudium anbelangt, bieten sich bei uns viel mehr Alternativen an. Die französischen Studenten dürfen sich nämlich ausschließlich im fünften Semester auf den Weg nach Deutschland machen. Sie können dabei aus vier Städten wählen: Augsburg, Berlin, Eichstätt und Kassel.
Die kleine Bibliothek und die geringe Zahl von ausländischen Studenten zeugen davon, dass die Universität in Arras eine eher kleinere Universität in Nordfrankreich ist. Den Studenten steht leider keine Möglichkeit zu einem Germanistik Master-Studium zur Verfügung. Sie müssen deswegen in größere Städte wie Lille oder Paris fahren.

Nachdem wir eine andere Universität, eine andere Art von Germanistik-Studium kennen gelernt haben, landen wir wieder in Piliscsaba. Unser Studium mit den Seminararbeiten und mit der Vorbereitung auf die Abschlussprüfung geht weiter.
Den Interessierten könnten die folgenden Webseiten empfehlenswert sein:

http://www.univ-artois.fr/
http://www.univ-artois.fr/deutsch

Andrea Taczman