Ein Wandervogel in Ungarn
Mein Erasmus-Jahr in Ungarn

von Julia Vossen

Du gehst nach Budapest? Das ist doch in Rumänien, oder? So und ähnlich waren die Reaktionen meiner Freunde und Bekannten, als ich ihnen über meinen Plan, zwei Semester in Ungarn zu studieren, berichtete. Und als ich in den Ferien nach Hause kam, bekam ich zu hören: Na, wie gefällt es dir in der Ukraine? Und hast du denn auch schon ein paar Bulgaren kennen gelernt?
Man sieht also, dass die meisten Menschen in Deutschland nicht sehr viel über Ungarn wissen. Für sie sind alle Länder in Osteuropa irgendwie gleich. Ob nun Rumänien, Ukraine, Bulgarien oder eben Ungarn macht für die meisten überhaupt keinen Unterschied. Die Hauptsache ist, dass es Osteuropa ist. So war für mich die Entscheidung, 2 Semester in Ungarn zu studieren, ein Schritt ins Unbekannte und ein Abenteuer.

Nun bin ich bereits seit August 2010 hier in Ungarn und genieße diese Zeit wirklich. Während dem 3-wöchigen EILC-Kurs (Abkürzung für: Erasmus Intensive Language Course) am Anfang, habe ich die erste zaghafte Bekanntschaft mit der gefürchteten ungarischen Sprache gemacht und zu meiner Erleichterung festgestellt, dass es durchaus möglich ist, Ungarisch zu lernen, und dass Ungarisch außerdem auch noch eine sehr schöne, melodische Sprache ist. In diesen wunderbaren ersten drei Wochen meines Aufenthaltes erfuhren wir sehr viel über Ungarn und ich lernte viele nette Leute aus ganz Europa kennen, mit denen ich jetzt immer noch eng befreundet bin.
Die Ungarn habe ich in den gesamten 9 Monaten meines Aufenthaltes als sehr offene, unheimlich freundliche und immer hilfsbereite Menschen kennen gelernt, deren Herzen sich schon durch ein paar sehr gebrochene Worte Ungarisch leicht erobern lassen.

Budapest ist einfach eine atemberaubende Stadt. Obwohl ich jedes Wochenende Budapest erkundet habe ich das Gefühl, dass ich, wenn ich im Juni wieder nach Deutschland fliege, immer noch nicht alles gesehen haben werde, was es in dieser Stadt zu entdecken gibt.

Ein Problem war am Anfang für mich die unterschiedliche Währung. Ich bin nicht sehr gut im Kopfrechnen und so habe ich bei jedem Einkauf alles mit meinem Handy umgerechnet, wodurch der Einkauf dann doppelt so lange gedauert hat, wie normal. Aber inzwischen habe ich ein Gefühl für den Forint entwickelt, und rechne kaum noch etwas in Euro um.

Vor dem ungarischen Essen hatte ich ehrlich gesagt auch ein bisschen Angst, bevor ich nach Budapest kam. Ich hatte gehört, dass es sehr viel Fleisch enthält und immer sehr scharf ist. Und auch, wenn das mit dem Fleisch stimmt, habe ich trotzdem einige sehr leckere Speisen gefunden, wie zum Beispiel rétes, Gulasch-Suppe und Eszterházy-Torte, die ich in Deutschland vermissen werde.

In meiner bisherigen Zeit hier in Ungarn habe ich sehr viel Neues über dieses mir bisher völlig unbekannte Land gelernt und bereue es keinen Tag, dass ich nach Osteuropa gegangen bin. Ich kann nur jedem Studenten raten, der ins Ausland gehen will, sich auch einmal abseits der bereits ausgetretenen Erasmuspfade zu bewegen und etwas völlig Neues zu entdecken. Man sollte für alles offen sein und keine Vorurteile haben, da man sonst bestimmt sehr viel Schönes im Leben verpasst.