Als ich im November 2008 mit der PKW-Gruppe nach Berlin gefahren bin, und dabei zwei Tage in Dresden verbracht habe, habe ich noch nicht gedacht, dass diese Stadt auch mehr für mich bedeuten wird. Ein paar Monate später habe ich ein Erasmus-Stipendium ausgerechnet in Dresden bekommen.
Im September, als ich in Dresden angekommen bin, hatte ich große Angst davor, was mich erwartet. Meine erste Woche war einfach schrecklich. Ich hatte viel zu tun, Immatrikulation, Wohnheim, Ausländerbehörde, Einwohneramt, Semesterbeitrag, Sparkasse… Die Sparkasse hat mir ganz viel Ärger gemacht. Ich musste den Semesterbeitrag bis zu einem bestimmten Termin bezahlen. Das geht aber nur durch die Sparkasse. Hier gibt’s keine Möglichkeit, wie in Ungarn, das Geld auf der Post mit Hilfe eines Schecks einzuzahlen. Nein, wer in der Sparkasse bezahlen will, muss unbedingt ein Konto bei der Sparkasse haben. Das wäre kein Problem gewesen, weil ich sowieso ein Konto eröffnen sollte, aber! Hier geht die Kontoeröffnung nur, wenn man dafür auch einen Termin bekommt. Zu dieser Zeit habe ich die Deutschen ganz schön gehasst…so viele Termine! Die „Lösung“ für das Problem war, dass ich das Geld gegen ein bestimmtes Gebühr (20 Euro(!)) einzahlen konnte. Wie süß von Dir, Sparkasse! Also das war meine kleine Geschichte mit der Ostsächsischen Sparkasse. Seitdem habe ich auch ein Konto bei ihnen. Glaubt mir, es ist ein wunderbares Gefühl! Noch was zur Geldsache: Wenn ihr nach Dresden fährt, bringt BARGELD mit!!! Hier wird an ganz wenigen Stellen Kreditkarte akzeptiert. Sie benutzen eine sogenannte EC-Karte (electronic cash), und akzeptieren nichts anderes…
Nach zwei Wochen und vielen Schwierigkeiten konnte ich die Stadt endlich positiv sehen. Dresden ist eigentlich aus vieler Sicht besser als Budapest. Die Stadt ist sauber und grün. In der Nähe von mir liegt ein riesiger Park, der Große Garten. Er ist wirklich groß, sogar riesig (ungefähr so groß, wie die Margit-sziget). Am Wochenende ist es voll mit Menschen. Viele Eltern wollen ihrem Kind das Radfahren oder im Winter das Skifahren hier beibringen. In der Mitte des Gartens steht ein Schloss, der ganze Park ist einfach wunderschön.
Aber nicht nur die Stadt und die Umgebung sind sauber, sondern auch die öffentlichen Verkehrsmittel. Ja, sie sind auch grün. :) Wenigstens die Schienen der Bahn. Sie sind mit Gras bedeckt. Hier gibt’s mehr Straßenbahne als Busse, der Kern des Verkehrs ist eigentlich das Straßenbahnnetz. Ich als Studentin, muss keine Fahrkarte für die öffentlichen Verkehrsmittel kaufen. Mein Studentenausweis gilt auch als sogenanntes „Semesterticket“, womit ich nicht nur in Dresden, sondern auch in der Umgebung (20-30 km)kostenlos fahren kann. Dies werde ich in Budapest sicherlich vermissen. :)
Glücklicherweise wohne ich nicht zu weit entfernt von der Universität (ca. eine halbe Stunde), trotzdem gehört mein Wohnheim nicht zu den Besten, es ist sogar schlimm. Eigentlich sieht es so aus, als ein Plattenbau in Budapest. Von innen ist es leider auch nicht besser. Ich wohne in einer sogenannten WG (Wohngemeinschaft) mit meiner ungarischen Freundin zusammen. Von diesen WGs findet man ganz viel in den deutschen Wohnheimen. Unsere WG besteht aus zwei Zimmern (in jedem Zimmer gibt’s ein Bett, Kleiderschränke, zwei Tische, zwei Stühle und einen Kühlschrank), aus einer Toilette und einem Raum, in dem sich nur ein Schrank und ein Wasserhahn befinden. Dusche und Küche teilen wir mit der ganzen Etage. Sie sind nicht besonders schön, sogar sehr schmutzig manchmal, aber man kann’s aushalten.
Die Uni ist hier auch ein bisschen anders, als zu Hause. Zuerst habe ich von dem Kreditsystem fast nichts verstanden. Aber jetzt kann ich das schon erklären! Wenn ein Student hier eine Lehrveranstaltung besuchen will, muss er zuerst entscheiden, ob er einen benoteten oder einen qualifizierten Schein braucht. Das kommt darauf an, was er genau studiert, und wie viele Kreditpunkte er schon hat. Wenn er nur einen qualifizierten Schein braucht, dann braucht er nur die Stunden zu besuchen (man darf zweimal fehlen), und dann bekommt er dafür 2 CPs (Kreditpunkte). Bei dem benoteten Schein muss man auch etwas leisten, zum Beispiel ein Referat halten oder eine Hausarbeit schreiben. Wenn jemand beides macht, bekommt er in der Regel 6 CPs.
An der Technischen Universität Dresden studieren viele Ausländer. Zum Glück, weil die Deutschen leider nicht zu offen sind. Ehrlich gesagt, habe ich insgesamt drei (!) Deutsche kennengelernt, die interessant fanden mehr Zeit mit Ausländern zu verbringen. Ich habe gelernt, dass in Deutschland die Freundschaft nicht so einfach ist wie in Ungarn. Wenn du ein Freund von einem Deutschen sein willst, dann musst du dich sehr anstrengen, damit er dich akzeptiert und als Freund sieht. Dem Stereotyp, dass die Deutschen kühl sind, stimme ich völlig zu. Sie sind zwar sehr hilfsbereit, trotzdem halten sie Abstand. Deshalb habe ich vor allem mit Ungarn (es sind sogar sehr viele in Dresden!) und mit anderen Ausländern meine Freizeit verbracht. Jetzt habe ich einige Freunde aus Polen, Spanien, Tschechien, Russland, Finnland, Tunesien, Norwegen, Rumänien, Italien und aus der Slowakei. Mal sehen, was von diesen Freundschaften bis zum nächsten Jahr übrig bleibt. Hoffentlich alle!
Ich habe also – trotz der Schwierigkeiten – nicht bereut, dass ich mich um dieses Stipendium beworben habe. Ich habe viel gelernt, und nicht nur an der Uni. Eine andere Kultur, eine andere Lebensweise habe ich hier kennengelernt. Ich rate es auch euch, wenn ihr die Möglichkeit dafür habt, ein halbes oder ein ganzes Jahr im Ausland zu verbringen, verpasst sie nicht!
Mónika Kuti